An der 122. Jahreskonferenz nahmen rund 900 Mitglieder und Gäste sowie 200 Kinder und Teens der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz teil. Neben den Besuchern vor Ort loggten sich über 200 Anschlüsse auf dem Livestream ein.
Der Gottesdienst an der Jahreskonferenz am Samstagmorgen bildet den geistlichen Höhepunkt des adventistischen Gemeindelebens in der Deutschschweiz. Simultanübersetzungen in Englisch, Russisch, Ukrainisch, Portugiesisch und Spanisch ermöglichten auch Menschen mit Migrationshintergrund die Teilnahme. Die Kinder wurden den ganzen Tag mit altersgerechten Programmen betreut.
Kultur ist wichtig, wenn man den Glauben teilen will
Der Gottesdienst stand unter dem Titel „Mit anderen Augen“. Alejandro Wollenweber, Pastor der Schulgemeinde des adventistischen Seminars Schloss Bogenhofen (Österreich), wies in seiner Predigt darauf hin, dass es bei der Weitergabe des Glaubens wichtig sei, auf die Kultur des anderen einzugehen bzw. sich in seine Lebenssituation einzufühlen. So sei auch Jesus seinen Mitmenschen begegnet. Er habe versucht, sie mit ihren Augen zu sehen. Jesus habe seine Mitmenschen mit den Augen der Liebe gesehen. Er sei nicht von sich selbst ausgegangen und habe deshalb viele Menschen mit der Liebe Gottes erreicht.
Die Predigt wurde durch Videointerviews unterbrochen, die auf den Straßen von Zürich aufgenommen wurde und in denen die Interviewten über ihre Lebenseinstellungen, Erwartungen, Ziele und andere Lebensfragen sprachen. Mit diesem Kontrastprogramm wurde den Zuschauern in der Parkarena mitten in der Predigt ein Realitätsbezug vermittelt.
Am Beispiel des Apostels Paulus, der im griechisch geprägten Lystra versuchte, das Evangelium und damit die Liebe Gottes weiterzugeben, zeigte Wollenweber auf, dass Paulus von den Bewohnern der Stadt missverstanden wurde und sie ihn und seinen Begleiter Barnabas als Götter verehren wollten. Es sei wichtig, auf die Kultur der Menschen einzugehen, um verstanden zu werden.
Man müsse aber auch ihre Sehnsüchte kennen, um ihnen vermitteln zu können, dass Gott nicht in der Kategorie „Götter“ spiele. Die auf Götter projizierten Sehnsüchte würden die Menschen versklaven und ihnen nicht das geben, was man von ihnen erwarte. Der biblische Gott hingegen stille die Sehnsüchte der Menschen. Deshalb sei er in Jesus von Nazareth in die Welt gekommen, um sich und seine Liebe sichtbar und erfahrbar zu machen.
Unterbrochen wurde die Predigt durch eine Präsentation von Andreas Weber, Pastor des Hope Centers in Herne/Nordrhein-Westfalen. Mit vier kurzen Videosequenzen gab er einen Einblick in die Arbeit des Hope Centers. Die Gemeinde mit 70 Mitgliedern bietet in ihren Räumen eine Kindertagesstätte, ein Familienforum mit Beratungsstelle, Eltern- und Erziehungskurse, eine Naturheilpraxis und Pfadfinderarbeit an. Damit versuchen sie, das Evangelium und damit die Liebe Gottes im konkreten Alltag an die von ihnen ausgewählten Zielgruppen weiterzugeben: https://hopecenter-herne.de/
Workshops
Am Nachmittag wurden drei Workshops angeboten:
· „Mission in Europa: Gottes Ruf und unsere Rolle“, mit Jonathan und Abbey Contero.
· „Adventistische Mission in Europa: Herausforderungen und Chancen“, mit Florian Ristea.
· „Radikal relevant: Wenn die Welt sich ändert, muss die Kirche folgen“, mit Andreas Weber.
Weber geht davon aus, dass, wenn sich die Gesellschaft verändert, auch die Kirche mit ihrem Gemeindemodell darauf reagieren muss. Sonst stehe sie anachronistisch in der Gegenwart und passe nicht mehr in die Zeit. Sie werde von ihren Mitmenschen als überholt oder irrelevant wahrgenommen. Dabei gehe es nicht um inhaltliche Veränderungen der Glaubensinhalte. Als Beispiel nannte er das Hope Center in Herne, das Familien und Kinder als Zielgruppe ansprechen wolle. Man habe festgestellt, dass der Gottesdienstbeginn um 10 Uhr für Familien ungeeignet sei, weshalb man ihn auf 16 Uhr verlegt habe. Am Ende des Gottesdienstes gebe es bei ihnen immer ein gemeinsames Abendessen, was entlastend sei, nichts für die Familie vorbereiten werden müsste.
Er nannte sechs Punkte, die Kirchen für die Gesellschaft attraktiv machen würden:
1. Klare und starke Vision
2. Zeitgemäße Gottesdienste
3. Starke Kleingruppenkultur
4. Klare Zielgruppe
5. Engagierte und leidenschaftliche Leiterschaft
6. Theologie der Ermutigung und Hoffnung
Ordination zum Pastorendienst
Zum Pastorendienst wurden am Nachmittag zwei Pastoren ordiniert: Dominic Bornand arbeitet im Gemeindebezirk Winterthur/Schaffhausen und wird neu auch als Dozent am Theologischen Seminar in Bogenhofen wirken; Stephan Münch ist Pastor im Bezirk Basel/Reigoldswil und auch zuständig für die Pfadfinder- und Jugendarbeit in der Region.
Pastor Stephan Sigg, Präsident der Adventisten in der Deutschschweiz, sagte in seiner Ordinationsansprache, dass Pastoren Brückenbauer seien. Es gehe darum, das fortzusetzen, was der oberste Brückenbauer, (lat. „Pontifex Maximus“), Jesus Christus mit seinem Leben vorgelebt habe: Gott den Menschen lieb zu machen und zu versuchen, ihnen einen Zugang zu Gott zu vermitteln.
Bei einer großen Hängebrücke im Tessin gebe es auf beiden Seiten der Brücke eine Wegleitung zur Brückenüberquerung, so Sigg. Diese fünf Punkte der Wegleitung gab er den beiden Ordinierten mit auf ihren Weg und wandte sie in einer Analogie auf den Pastorendienst an:
1. Auf das Ziel schauen
2. Schritt für Schritt gehen und nicht zögern
3. Nicht nach unten oder oben schauen
4. Freue dich auf die andere Seite
5. Wenn möglich, geh nicht allein
Zum Einsegnungsgebet waren auch die Frauen sowie die Kinder der Paare auf dem Podium, gemeinsam mit den ordinierten Pastoren der Deutschschweiz.
Abschluss des Nachmittagsprogramms
Den Abschluss des Nachmittagsprogramms bildeten ein Lied der angolanischen Migrationsgemeinde in Zürich, bei dem die Sängerinnen und Sänger in farbenfrohen Kostümen auftraten, sowie Lieder der Kinder der adventistischen Privatschule A bis Z.
Der große Quiz-Abend mit dem Team des Hope TV setzte den Schlusspunkt der Veranstaltung. Mehr zu Hope TV: https://hopetv.de/
Generalversammlung: Stephan Sigg als Präsident der Adventisten in der Deutschschweiz wiedergewählt
Pastor Stephan Sigg wurde von den Delegierten der Deutschschweizerischen Vereinigung (DSV) der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten erneut für weitere vier Jahre zum Präsidenten gewählt. Sigg wurde 2017 zum ersten Mal in dieses Amt gewählt.
Die Wahl fand am 30. März im Rahmen der Generalversammlung in Zürich statt, an der laut Medienmitteilung der Kirche über 140 stimmberechtigte Vertreterinnen und Vertreter der 33 Ortsgemeinden in der Deutschschweiz teilnahmen. Sigg wurde mit 120 Ja-Stimmen, 19 Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen in seinem Amt bestätigt.
Strukturreform und Leitbild für Kirchenleitung beschlossen
Neben der Wahl des Präsidenten beschlossen die Delegierten eine Anpassung der 2021 eingeführten Strukturreform sowie ein neues Leitbild für die Kirchenleitung in der Deutschschweiz (Vereinigung). Die vorgenommenen Änderungen basieren auf den Erfahrungen der letzten vier Jahre und sollen die Zusammenarbeit der Bereichsmitarbeiter stärken, um die Gemeinden auf der Ortsebene besser unterstützen zu können.
Das Leitbild entstand im Rahmen eines breit angelegten Strategieprozesses, in den Pastoren, Bereichsmitarbeitende, Gemeindeleitungen und Gemeindeglieder aktiv beteiligt waren. Ziel ist es, die strategische Ausrichtung der Kirchenleitung als unterstützenden Dienst für die Ortsgemeinden zu schärfen.
In der kommenden Wahlperiode sollen folgende acht Schwerpunktmaßnahmen realisiert werden, um Gemeinden und Kirchenleitung zielgerecht zu unterstützen:
1. Intensivierung der Ausbildung von Gemeindemitgliedern
2. Ausbau der Personalentwicklung und -führung
3. Investition in die nächste Generation
4. Begleitung von Gemeinden und Leitungspersonen
5. Stärkung der Glaubensgemeinschaft in Gemeinde und Familie
6. Erweiterung der digitalen Angebote
7. Nutzung von Synergieeffekten
8. Weiterentwicklung einer nachhaltigen Evangelisation
Zum Abschluss der Delegiertenversammlung wurde die Gruppe Bärau als 34. Adventgemeinde der Deutschschweizerischen Vereinigung anerkannt. Zukünftig wird sie unter dem neuen Namen Adventgemeinde Langnau im Emmental Gemeindeglieder und Gäste begrüßen dürfen.
Die Wahl der weiteren Leitungspositionen, darunter die des Exekutivsekretärs, des Rechnungsführers sowie der Bereichsmitarbeitenden, erfolgt an der nächsten Generalversammlung im Juni.
Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz und weltweit
Die Adventisten in der Schweiz sind nach dem Vereinsrecht organisiert und teilen sich in zwei Kirchenregionen: die Deutschschweizerische Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (DSV), mit Sitz in Zürich und die Fédération des Eglises Adventistes du 7e jour de la Suisse romande et du Tessin (FSRT), mit Sitz in Renens/VD. Beide Verwaltungsregionen bilden gemeinsam die Schweizer Kirchenleitung, die Schweizer Union, mit Sitz in Zürich. Ende 2024 wurden 4.853 adventistische Christinnen und Christen in der Schweiz gezählt.
Adventistische Institutionen und Werke in den Sprachregionen der Schweiz
Die Adventisten in der Schweiz führen die Privatschulen A bis Z in Zürich und in Reinach/AG, zwei Jugendhäuser, in St. Stephan/BE und Les Diablerets/VD, drei Alters- und Pflegeheime in Krattigen/BE, Oron-la-Ville und Epalinges bei Lausanne, den Advent-Verlag Schweiz in Krattigen/BE sowie eine Versandstelle für französische Bücher in Renens/VD. Im Weiteren unterhalten sie das Hope Bibelstudien-Institut (HBI) und das Religionspädagogische Institut (RPI) in Zürich sowie das Institut d'Etude de la Bible par Correspondance (IEBC) in Renens.
In Gland/VD befindet sich die Klinik La Lignière, die auf Rehabilitation bei Herz-Kreislauferkrankungen, neurologischen, orthopädischen und rheumatischen Erkrankungen sowie auf Nachbehandlung bei Krebs spezialisiert ist: https://la-ligniere.ch/
Gesamtschweizerische Institutionen der Adventisten
Zu den gesamtschweizerischen Werken zählt die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz mit Sitz in Zürich. Das Büro befindet sich in Aarau. ADRA Schweiz ist ein ZEWO-zertifiziertes Partnerhilfswerk der Glückskette. Das Hilfswerk ist in der Schweiz mit rund 30 Ortsgruppen im sozialen Bereich tätig und unterhält diverse ADRA Shops (Bern, Biel/Bienne, Genf, Lausanne, Thurgau, Yverdon, Zürich), die Güter des täglichen Bedarfs an Bedürftige abgeben. Im Ausland arbeitet ADRA Schweiz mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, primär mit Katastrophen- und Entwicklungshilfeprojekten.
Der Adventistische Pressedienst APD Schweiz, Basel, richtet seine Dienste vor allem an säkulare und kirchliche Medien und arbeitet mit dem APD Deutschland zusammen.
Die Schweizerische Liga Leben und Gesundheit (LLG), Zürich, bietet mit ihren Seminaren in rund 40 Ortsgruppen ganzheitliche Gesundheitsförderung an: körperlich, seelisch, spirituell und sozial.
Ökumenische Kontakte
Die Adventisten in der Schweiz sind Mitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) und haben den Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH). Die Adventisten in der Deutschschweiz haben im Dachverband Freikirchen Schweiz den Beobachterstatus. In drei kantonalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen sind sie Mitglieder und in drei weiteren haben sie den Gaststatus.
Webseite der Adventisten in der Deutschschweiz: www.adventisten.ch
Webseite der Adventisten in der Romandie und im Tessin: www.adventiste.ch
Statistiken zu den Adventisten in der Schweiz:
https://adventisten.ch/kontakt/presse/
Adventisten weltweit
Die weltweite Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die in 212 Ländern und Gebieten vertreten ist, verzeichnete laut der letzten Statistik eine Zunahme der Mitgliederzahlen zwischen 2012 und 2023 von 17,5 Millionen auf 22,7 Millionen. Die meisten Mitglieder leben in Afrika, gefolgt von Lateinamerika, Asien, Nordamerika, Europa und Australien/Neuseeland.
Statistiken zu den Adventisten weltweit:
https://www.adventistarchives.org/quick-statistics-on-the-seventh-day-adventist-church