APD


International


Adventistische Kinder müssen in Luxemburg am Samstag zur Schule

Eltern scheiterten vor Europäischem Gerichtshof
Straßburg/Frankreich, 24.06.1999/APD Gescheitert sind zwei adventistische Familien aus Luxemburg mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wegen der Unterrichtsbefreiung ihrer Kinder am Samstag. Für die Siebenten-Tags-Adventisten gilt nicht der Sonntag, sondern der biblische Sabbat als wöchentlicher Feiertag. Bis 1993 brauchten Mitglieder der evangelischen Freikirche ihre Kinder nicht am Samstag zur Schule zu schicken. Dann jedoch bestanden die Behörden auf den Unterrichtsbesuch. Nachdem der Rechtsweg im Großherzogtum ausgeschöpft war, wandten sich die Eltern an den Europäischen Gerichtshof. Die dortigen Richter entschieden jedoch, daß das Recht auf Bildung ein Teil der fundamentalen Rechte eines Staates sei, das geschützt werden müsse, und die Freiheit der Religionsausübung einschränken könne. In einer demokratischen Gesellschaft sei es erforderlich, die Schulordnung zu sichern. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß die Verweigerung der Schulbefreiung am Samstag durch die luxemburgischen Behörden gerechtfertigt gewesen sei. Die Nichtigkeitsklage der Eltern wurde abgelehnt.

Nach Ansicht von Maurice Verfaillie (Bern), Direktor für Religionsfreiheit der europäischen Kirchenleitung Euro-Afrika Division der Siebenten-Tags-Adventisten, widerspreche das Urteil der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen, die auch von den europäischen Staaten ratifiziert worden sei. Deren Artikel18 laute eindeutig: "Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion ... öffentlich oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst oder Kulthandlungen zu bekennen." "Wir sehen hier einen sich verschärfenden Konflikt. Obwohl das Recht auf Religionsfreiheit gesetzlich geschützt ist, besteht eine zunehmende Tendenz, dieses Recht durch andere Rechte, die angeblich vorrangiger sind, einzuschränken", so Verfaillie. Er zeigte sich über das Urteil sehr besorgt, welches das Recht eines Menschen, seinen Gottesdienst an dem Tag zu feiern, den ihm sein Gewissen vorschreibe, mißachte. "Wir setzen uns sehr für Bildung ein, aber wir können ein gesetzliches Verbot des Rechtes auf Gottesdienst nicht akzeptieren."



Rumänisches Kultusministerium grenzt adventistische Schüler aus

Bukarest/Rumänien, 24.06.1999/APD Einige Tausend adventistische Kinder und Jugendliche kamen in Rumänien wegen der Aufnahmeprüfungen zu Gymnasien und Berufsfachschulen in einen religiösen Gewissenskonflikt. Sie fanden landesweit an einem Samstag statt, dem biblischen Ruhetag (Sabbat) der Siebenten-Tags-Adventisten. Die evangelische Freikirche hatte sich vergeblich um die Verlegung des Prüfungstermins oder eine Ausnahmeregelung für ihre Schüler bemüht. Der Kultusminister betonte jedoch in einem Gespräch mit dem Vorsteher der rumänischen Adventisten, Adrian Bocaneanu, daß es sich um eine national geregelte Angelegenheit handele, bei der es keinerlei Abweichung geben könne.

Das Kultusministerium habe auf stur geschaltet, kritisierte Pastor Viorel Dima (Bukarest), Abteilungsleiter für Religionsfreiheit der dortigen Freikirche. Die offizielle Befürwortung des adventistischen Anliegens durch das Staatssekretariat für Religiöse Angelegenheiten, das Präsidialamt, die Senatskommission für Bildung, den Senatspräsidenten und den rumänischen Staatspräsidenten würden ignoriert. Die Adventisten hoffen dennoch, daß im September eine Nachprüfung an einem Wochentag angesetzt wird. Die Freikirche zählt in Rumänien 71 500 erwachsene getaufte Mitglieder in 1 052 Gemeinden. Sie unterhält ein theologisches Seminar, eine Klinik, eine Krankenpflegeschule, drei Gymnasien, ein Verlagshaus und mehrere Radiostationen. Seit 1870 ist sie im Land vertreten.



Adventisten für engere Verbindung zu chinesischen Glaubensangehörigen

Hongkong/China, 24.06.1999/APD Die Verbindung zu ihren Glaubensangehörigen in China will die weltweite Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten stärken. Wie deren Präsident Jan Paulsen in einer Stellungnahme nach einer Tagung von adventistischen Leitern in Hongkong erklärte, wolle man der veränderten Situation seit Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie Rechnung tragen. Die Hongkonger Adventisten seien um engere Beziehungen "zu ihren Glaubensbrüdern und -schwestern in China" bemüht. "Unsere Kirche in China wird zweifellos weiterhin ihre chinesische Identität widerspiegeln und gegenüber ihrer eigenen Kultur und den Bedürfnissen der Gesellschaft in einem neuen Jahrhundert sensibel sein", heißt es in der Erklärung. Die dortigen Adventisten würden zwar auch künftig "die Angelegenheiten ihrer eigenen Kirche in voller Souveränität regeln und verwalten", aber gleichzeitig "auf ihre geistlichen und geschwisterlichen Verbindungen zu den Gemeinden der Siebenten-Tags-Adventisten in aller Welt" bedacht sein.

Laut Paulsen, der bereits im letzten Jahr Peking besuchte und dort einen Sabbatgottesdienst hielt, leben in China über 230 000 Adventisten. Bei der Zwangseingliederung aller protestantischen Kirchen in die regimenahe "Drei-Selbst-Bewegung" im Jahre 1950 waren es noch 21 000 gewesen. In Hongkong gibt es 4 000 Adventisten. Die Freikirche unterhält in der Stadt eine Mittelschule, drei Gymnasien, eine Hochschule und zwei Krankenhäuser.

(Anmerkung der Redaktion: Der vollständige Text der Stellungnahme findet sich unter der Rubrik "Dokumentation".)


Erste adventistische Pastorin in den Niederlanden ordiniert

Huis ter Heide/Niederlande, 24.06.1999/APD Mit Elise Heikoop ordinierten die niederländischen Siebenten-Tags-Adventisten zum ersten Mal eine Frau zur Pastorin. Sie ist bereits als Seelsorgerin in den Adventgemeinden Harderwijk, Lelystad und Zwolle tätig und erhält mit ihrer Amtseinführung die Befugnis, in allen adventistischen Gemeinden der Niederlande als Geistliche tätig zu sein. Sie darf grundsätzlich alle Funktionen eines Pastors, wie Abendmahl, Taufe und Ehesegnung durchführen, hat jedoch, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, nicht das Recht, Kirchengemeinden zu gründen oder aufzulösen und die Ordination eines Geistlichen vorzunehmen. Laut dem Sekretär der niederländischen Adventisten, R. K. de Raad (Huis ter Heide), ist die dortige Kirchenleitung an die Entscheidung ihrer Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) gebunden, die eine völlige Anerkennung von Pastorinnen nach wie vor ablehnt. Während der letzten Generalkonferenz-Vollversammlung 1995 in Utrecht wurde ein Vorschlag der nordamerikanischen Adventisten nicht angenommen, der den kontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) die Entscheidung überlassen sollte, ob sie Frauen als Pastorinnen ordinieren oder nicht. Die Freikirche kennt seit 1984 das Laienamt der weiblichen eingesegneten Ältesten. Die Bestätigung von Pastorin Heikoop ohne vollständige Befugnis ist laut de Raad das bisher äußerst Machbare in Sachen Frauenordination.

Die niederländischen Adventisten setzten sich, so deren Vorsteher G. H. Koning, innerhalb der Weltkirche für die völlige Anerkennung der weiblichen Geistlichen ein. In westlichen Ländern sei die Frauenordination im allgemeinen konsensfähig, während sie bei den Adventisten in der übrigen Welt meist abgelehnt werde. Bei diesem Tauziehen sei noch kein Ende abzusehen. Auch in den Niederlanden stoße die Ordination von Frau Heikoop nicht nur auf Zustimmung. Diejenigen, die für eine völlige Gleichstellung sind, kritisierten den Kompromiß, andere befürchteten dagegen, daß mit dem jetzt getanen Schritt das Nein der Generalkonferenz ausgehebelt werden solle. In den Niederlanden gibt es 4 132 erwachsene getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 52 Adventgemeinden. Die evangelische Freikirche unterhält dort ein Altenheim, eine Anlage für betreutes Wohnen und eine Grundschule.



Adventisten reagieren kritisch auf ARCIC-Dokument "Die Gabe der Autorität"

Silver Spring, Maryland/USA, 24.06.1999/APD Den Wunsch nach Einheit unter den Kirchen verstehen sie, eine Anerkennung der päpstlichen Autorität als Haupt der Weltchristenheit lehnen sie jedoch ab. Für die internationale Leitung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten bleibt die Anerkennung der Autorität der Bibel mit den päpstlichen Autoritätsansprüchen unvereinbar.

Mit ihrer Stellungnahme reagiert die Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Adventisten in Silver Spring, Maryland/USA auf einen Bericht der internationalen anglikanisch-katholischen Kommission (ARCIC). Darin wird empfohlen, den Papst als Oberhirten der Christenheit anzuerkennen. "Im Rahmen seines Amtes hat der Papst die spezielle Aufgabe, die Wahrheit zu erkennen. Dies ist der Ausdruck seiner universellen Autorität", heißt es in dem Dokument. Diese Autorität bedeute, so ARCIC, daß der Papst im Sinne eines prophetischen Amtes einen Führungsanspruch in der Welt und insbesondere in der katholischen und anglikanischen Glaubensgemeinschaft habe.

In ihrer Reaktion kritisieren die Siebenten-Tags-Adventisten am Bericht, daß er die Tradition über die Autorität der Bibel setze. Man verstehe zwar den Wunsch nach Einheit, sagte Jan Paulsen, Präsident der weltweiten Freikirche, doch entspreche dies nicht der Lehre, welche die Adventisten vertreten. "Wir bekräftigen unsere historische Position und halten an der Aussage der Reformatoren fest, daß die umfassende geistliche Autorität allein in der Bibel als Gottes Wort begründet ist und niemals in einem einzelnen Menschen", erklärte Paulsen dazu. Die Adventisten könnten keinesfalls der anglikanisch-katholischen Kommissions-Empfehlung zustimmen, denn die Autorität der Bibel und der Autoritätsanspruch des römischen Bischofs seien unvereinbar, betont auch Ekkehardt Müller, stellvertretender Direktor des Biblischen Forschungsinstituts der Generalkonferenz.

Das am 12. Mai vorgestellte, 14 Seiten lange Dokument "Die Gabe der Autorität" ist die dritte Verlautbarung von ARCIC zur Frage der Autorität in der Kirche. Der Bericht ist an katholische Bischofskonferenzen und anglikanische Kirchen in der ganzen Welt verschickt worden. Der anglikanische Erzbischof, George Carey, erklärte dazu in einer Stellungnahme: "Der Bericht 'Die Gabe der Autorität' behandelt wichtige Themen des kirchlichen Auftrags und ich empfehle den Text allen Anglikanern zu einer sehr sorgfältigen Prüfung." Falls von den Entscheidungsgremien beider Gemeinschaften die Zustimmung erfolgt, so die Kommission in dem Dokument, werde das Thema der Autorität "kein Grund mehr für einen Fortbestand des Bruchs der Gemeinschaft zwischen den beiden Kirchen sein." ARCIC ist eine 1970 geschaffene Kommission von 18 anglikanischen und römisch-katholischen Theologen.



Adventistische Parlamentsabgeordnete mit einfachen politischen Ansichten

Neu Delhi/Indien, 24.06.1999/APD Die erste Siebenten-Tags-Adventistin, die als Parlamentsabgeordnete ins indische Unterhaus gewählt wurde, verdankt nach eigenen Worten viel ihrer Ausbildung in adventistischen Schulen. "Ich war immer dankbar für die dort empfangene Bildung", sagte Kim Gangte gegenüber der indischen Gemeindezeitschrift der evangelischen Freikirche. "Meine politischen Ansichten sind sehr einfach. Es sind Liebe zu den Menschen, Wertschätzung allgemeingültiger Normen, Achtung der Menschenrechte und Dienst am Volk." Es sei nicht ihre Entscheidung gewesen, sich als Parlamentskandidatin aufs tellen zu lassen. Sie habe hierbei zu Gott um Rat gebetet. Während des Wahlkampfes wurde sie entführt und drei Stunden gefangen gehalten. Nach ihrer Befreiung habe sie die Entführer eindringlich gebeten, den Weg der Gewalt aufzugeben. Frau Gangte ist Abgeordnete der Kommunistischen Partei Indiens im Unterhaus. Mose sei ihr Lieblingspolitiker, da er "eine unendliche Liebe für sein Volk Israel hatte".



"Gemeinsame Erklärung" wird in Augsburg unterzeichnet

Genf/Schweiz, 24.06.1999/APD Der Lutherische Weltbund (LWB) und die römisch-katholische Kirche werden die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" am 31. Oktober in Augsburg unterzeichnen. Während einer Pressekonferenz in Genf betonten Dr. Ishmael Noko, Generalsekretär des LWB, und Edward Idris Kardinal Cassidy, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, die besondere Bedeutung der Unterzeichnung. Sie sei ein Markstein im 30jährigen katholisch-lutherischen Dialog, der nach dem II. Vatikanischen Konzil im Jahre 1967 begann, und zugleich neue Möglichkeiten für eine zukunftsorientierte Annäherung der christlichen Kirchen eröffne.

Die römisch-katholische Kirche und der Lutherische Weltbund hatten sich zuvor auf eine "Gemeinsame offizielle Feststellung" geeinigt, um die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" im unveränderten Wortlaut bestätigen zu können. Beide Konfessionen erklären darin einen "Konsens in Grundwahrheiten" und daß die Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts die in der "Gemeinsamen Erklärung" dargelegte lutherische und katholische Lehre nicht treffen. Noch kontroverse Fragen sollen im weiteren Dialog erörtert werden. Die erreichte Übereinstimmung wird in einem "Anhang" zur "Gemeinsamen Feststellung" erläutert, in dem umstrittene Fragen aus der Diskussion des vergangenen Jahres geklärt werden. Dabei geht es, so das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes, Bensheim, nicht um eine Zusatzerklärung zur "Gemeinsamen Erklärung", die möglicherweise nochmals den lutherischen Synoden vorgelegt werden müßte, sondern um eine Klärung von Mißverständnissen, Rückfragen und bleibenden Aufgaben. Thematisiert werden der Sündenbegriff, das "allein" im Glauben, die "Bewahrung der Gnade", der Lohngedanke und die besonders umstrittene Frage nach der Rechtfertigungslehre als einzigem Kriterium der Lehre. Ferner stellt der Anhang klar, daß die Antwortnote der katholischen Kirche vom Juni 1998 "weder die Autorität lutherischer Synoden noch die des Lutherischen Weltbundes in Frage stellen" soll, sondern daß der Dialog gleichberechtigt geführt werde.

Mit dieser "Gemeinsamen Feststellung" werde nach Ansicht des Konfessionskundlichen Instituts zweierlei erreicht: Die Irritationen, welche die erste römisch-katholische Antwort vom 25. Juni 1998 ausgelöst hatte, seien aus dem Weg geräumt. Die Lehrverurteilungen des Konzils von Trient würden die evangelische Lehre nicht betreffen, und die Autorität evangelischer Synoden werde anerkannt. Das sei ein bemerkenswerter Vorgang. Es habe den Anschein, als ob der lutherische Einspruch zu einer Veränderung der katholischen Aussagen führte. Zweitens stelle die "Gemeinsame Erklärung" einen bemerkenswerten Konsens in der Rechtfertigungslehre dar, ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr ökumenischer Gemeinschaft. Evangelische Bedenken, die "Gemeinsame Erklärung" würde die reformatorische Botschaft verkürzen, dürften damit hinfällig sein. Der Dialog über offene Fragen und bleibende kirchentrennende Gegensätze könne im Lichte dieses Konsenses in Grundaussagen des Glaubens weitergeführt werden.

Auf der Grundlage der Antworten der Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes hatte dessen Rat die "Gemeinsame Erklärung" am 16. Juni 1998 angenommen. Am 25. Juni 1998 gab die römisch-katholische Kirche eine Stellungnahme zu dieser Erklärung ab, wobei deutlich wurde, daß die beiden Dialogpartner die "Gemeinsame Erklärung" nicht in derselben Weise bestätigt hatten. Außerdem warnten auch evangelische Theologieprofessoren vor einer Vereinnahmung des Protestantismus durch die römisch-katholische Kirche. In Nachverhandlungen einigten sich beide Konfessionen auf eine "Gemeinsame offizielle Feststellung", zu der ein "Anhang" gehört, um die "Gemeinsame Erklärung" unterzeichnen zu können. Daß die Unterzeichnung auf den 31. Oktober in Augsburg terminiert ist, hat symbolische Bedeutung. Der 31. Oktober erinnert als sogenannter Reformationstag an den Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg im Jahre 1517. Dem 1530 in Augsburg tagenden Reichstag legten die Evangelischen ihr Bekenntnis, die "Confessio Augustana", vor, die noch heute für viele lutherische Kirchen von grundlegender Bedeutung ist.

Der Lutherische Weltbund wurde 1947 in Lund/Schweden gegründet und zählt heute 124 Mitgliedskirchen, denen rund 58 der 61,5 Millionen Lutheraner in 69 Ländern angehören. Zur römisch-katholischen Kirche gehören weltweit über eine Milliarde Mitglieder.



Zivildienst in Griechenland mit Strafcharakter

Stuttgart, 24.06.1999/APD Das zum Jahresbeginn 1998 in Griechenland eingeführte Zivildienstgesetz habe laut der Zeitschrift "Zivil" immer noch Strafcharakter. Zwar kämen Kriegsdienstverweigerer nicht mehr ins Gefängnis, doch seien sie auch nach der Gesetzesreform massiven Diskriminierungen ausgesetzt: zum einen durch die abschreckenden Vorschriften des neuen Rechts selbst, zum anderen durch deren repressive Handhabung. Bisher sind etwa 180 griechische Kriegsdienstverweigerer, vorwiegend Zeugen Jehovas, anerkannt worden. Mehr als 110 von ihnen haben ihren Zivildienst begonnen. Sie müssen außerhalb von Athen und Thessaloniki einen heimatfernen Dienst leisten, dessen Dauer die des Militärdienstes (üblicherweise eineinhalb Jahre) um 18 Monate übersteigt. Während die normale Arbeitszeit griechischer Zivildienstleistender bei 40 Wochenstunden liegt, schrieben einige Dienststellen ihren Zivis eine Sieben-Tage-Woche mit täglich elf Arbeitsstunden vor. Unter anderem geschehe dies in Chania (Kreta), wo die örtliche Einrichtung für psychisch Kranke zudem einen ihrer Kriegsdienstverweigerer zusammen mit Patienten im selben Raum übernachten lasse. Weigere sich ein Zivildienstleistender, den übermäßigen Arbeitsanforderungen nachzukommen, bestehe das Risiko, daß er sein Recht auf Zivildienst verliert und zur Armee einberufen wird. Um künftige Verweigerer abzuschrecken, gebe es eine starke Tendenz, den griechischen Zivildienst zu militarisieren und als Langzeit-Zwangsarbeit auszugestalten.



Zum Inhaltsverzeichnis


© APD Geändert am: 04.07.99